Vollkosten fair vergleichen: Warum es den Joul-Heizkostenrechner gibt

1. Eine Heizungsentscheidung ist keine Kleinigkeit

Wer heute über eine neue Heizung nachdenkt, trifft keine einfache und keine leichte Entscheidung. Es geht oft um viele Tausend Euro Investition und um viele Tausend Euro Betriebskosten im Laufe der Jahre.

Als fachfremde Privatperson hier Angebote und Preise zu vergleichen ist bereits herausfordernd. Besonders schwer wird das, wenn man vor der Wahl steht, sich an ein Wärmenetz mit anzuschließen, oder doch lieber eine Wärmepumpe oder einen Heizkessel zu betreiben.

Denn die Kostenstrukturen, Preise und Lebensdauern dieser Systeme sind so unterschiedlich, dass man sie nicht direkt miteinander vergleichen kann.

2. Das Grundproblem: Warum einfache Vergleiche in die Irre führen

Oft betrachtet man bei Einzelheizungen, wie Wärmepumpen und Heizkesseln in erster Linie die Brennstoffkosten pro Einheit Wärme. Stellt man Nah- bzw. Fernwärmepreise dagegen, liegen diese oft weit über den vermeintlichen Preisen der Einzelheizung. Dabei funktionieren diese Heizsysteme wirtschaftlich einfach sehr unterschiedlich.

Verzerrter Heizkostenvergleich zwischen Wärmepumpe, Wärmenetz und Heizkessel - Wärmepumpe und Heizkessel betrachten verbrauchsbezogene Kosten, während im Wärmenetz-Preis fast schon Vollkosten berücksichtigt sind.

Abbildung: Verzerrter Vergleich der Heizkosten durch Wärmepumpe, Wärmenetz und Heizkessel

Das Problem: In den Wärmenetz-Preisen steckt schon nahezu alles drin
(Betriebskosten, Investitionskosten und viele sonstige Kosten), während in den Wärmepumpen / Heizkessel Betriebs-Preisen eben nur die Wärmeerzeugung pro kWh steckt – ohne den Kaufpreis der Anlage, ohne die Installation, ohne sonstige Kosten wie für Wartung und Schornsteinfeger.

Viele Kosten, die bei einer eigenen Heizung einzeln anfallen, stecken beim Wärmenetz bereits im Wärmepreis.

Das führt also schnell zu einem verzerrten Vergleich: 🍎 & 🍐

Dazu kommt: Einzelheizungen haben eine Lebensdauer von etwa 20 Jahren, Wärmenetze dagegen deutlich länger – 40 Jahre und aufwärts. Entsprechend verteilen sich einmalige Kosten wie der Hausanschluss auf deutlich längere Zeit und Nutzungsdauer.

3. Was wäre dann ein fairerer Vergleich?

Um ehrlich vergleichen zu können, müssen alle Kosten über die gesamte Laufzeit der Systeme berücksichtigt werden (Vollkostenbetrachtung): Investitionskosten, verbrauchsbezogene Kosten sowie sonstige Kosten, wie für Wartung und Instandhaltung.

Ein fairer Vergleich bringt daher verschiedene Systeme auf eine gemeinsame Vergleichsgröße: Den Vollkosten-Wärmepreis.
Er beinhaltet die gesamten Kosten über die Laufzeit (Anschaffung, Betrieb, Wartung, usw.), geteilt durch den gesamten Verbrauch. Das Ergebnis: Die Vollkosten pro Kilowattstunde Wärme.

Meiner Erfahrung nach schauen aber nur wenige Hauseigentümer aus dieser Perspektive auf ihre Entscheidung. Darum habe ich den Joul-Heizkostenrechner entwickelt. Ein Tool, das die Vollkosten verschiedener Systeme auf Basis weniger Eingaben übersichtlich und anschaulich darstellt. Kostenlos und ohne Anmeldung.

Er liefert keine pauschale Empfehlung – ersetzt natürlich auch keine Fachplanung – aber er macht die eigenen Eingaben und Annahmen nachvollziehbar vergleichbar.

4. Für wen der Rechner gedacht ist

Der Joul-Heizkostenrechner richtet sich vor allem an Privatpersonen. Besonders an Menschen, die vor einer konkreten Heizungsentscheidung stehen und vielleicht sogar schon konkrete Angebote dazu haben:

  • Eigentümer:innen von Ein- und Zweifamilienhäusern sowie Reihenhäusern.
  • Menschen in Wärmenetzgebieten (Gebietskategorie der kommunalen Wärmeplanung)
  • Haushalte, die eine Wärmepumpe prüfen
  • Personen, die ihre alte Gas- oder Ölheizung kostentechnisch einordnen möchten

Zusätzlich kann der Rechner für Menschen hilfreich sein, die andere beraten oder informieren:

  • Energieagenturen
  • Kommunen
  • Bürgerenergieinitiativen
  • Wärmenetzinitiativen
  • Energieberater:innen
  • Planer:innen

5. Was der Rechner leisten kann – Und was nicht

Was er kann

  • Der Joul-Heizkostenrechner kann helfen, verschiedene Heizsysteme über einen Zeitraum zu vergleichen und Orientierung geben.
  • Er kann zeigen, welche Kostenbestandteile besonders wichtig sind.
  • Er kann sichtbar machen, wie stark sich Annahmen auf das Ergebnis auswirken.
  • Er kann helfen, ein Wärmenetzangebot mit Alternativen zu vergleichen.
  • Er kann helfen, die Kosten einer eigenen Heizung vollständiger zu betrachten.
  • Er kann dazu beitragen, Diskussionen zu versachlichen.
  • Er kann zeigen, ob ein Ergebnis robust ist oder stark von einzelnen Annahmen abhängt.
  • Er kann Nutzer:innen helfen, bessere Fragen zu stellen:
    • Welche Kosten fehlen noch?
    • Welche Preissteigerung wurde angenommen?
    • Wie wirken sich Förderungen aus?
    • Was passiert bei höherem oder niedrigerem Wärmebedarf?

Was er nicht kann

  • Der Joul-Heizkostenrechner dient nur der groben Übersicht und dem überschlägigen Vergleich verschiedener Heizungssysteme –
  • Er ersetzt weder individuelle Energieberatung noch die Fachplanung.
  • Seine Ergebnisse können nur so gut sein wie die eingegebenen Annahmen.
  • Er kann keine zukünftigen Preisentwicklungen vorhersagen.
  • Er kann (aktuell) keine Mischsysteme (z.B. Wärmepumpe und Kaminofen / Heizkessel mit Solarthermie) darstellen.
  • Er betrachtet ausschließlich Kostenaspekte. Andere Faktoren, wie Kundenservice, Notfallkonzepte, Platzbedarf, Komfort, Geräusch-, Feinstaub- oder CO2-Emissionen usw. werden nicht berücksichtigt.
  • Er bewertet keine technischen Detailfragen wie:
    • ob eine Wärmepumpe im konkreten Gebäude optimal ausgelegt ist
    • ob ein Wärmenetz technisch oder ökologisch gut geplant ist
    • ob eine bestimmte Förderung im Einzelfall sicher bewilligt wird

6. Einladung zur eigenen Einordnung

Wer Heizkosten vergleichen möchte, sollte nicht nur auf einzelne Preise schauen. Entscheidend ist, wie sich einmalige Kosten, laufende Kosten, Preisannahmen und der eigene Wärmebedarf über die Lebensdauer zusammensetzen.

Genau dabei soll der Heizkostenrechner helfen. Er macht sichtbar, welche Kostenbestandteile in den Vergleich einfließen und wie stark sich einzelne Annahmen auf das Ergebnis auswirken. Dadurch wird aus einem abstrakten Preisvergleich eine nachvollziehbarere Entscheidungsgrundlage.

Der Rechner nimmt die Entscheidung nicht ab. Er kann auch nicht sicher vorhersagen, wie sich Energiepreise, Förderbedingungen oder individuelle Rahmenbedingungen in Zukunft entwickeln. Aber er hilft dabei, die eigene Situation strukturierter zu betrachten: Welche Kosten fallen einmalig an? Welche Kosten entstehen jedes Jahr? Welche Annahmen sind besonders entscheidend? Und wie verändert sich das Ergebnis, wenn einzelne Werte angepasst werden?

Wer wissen möchte, wie sich Nah- oder Fernwärme, Wärmepumpe und Heizkessel unter eigenen Annahmen vergleichen lassen, kann den Heizkostenrechner nutzen und verschiedene Szenarien durchspielen: